5 Gründe, warum Ausbilder/-innen das Thema KI jetzt angehen sollten
| Human Resources
Ein Azubi legt eine Aufgabe vor. Die Lösung ist sauber formuliert, gut strukturiert – und in wenigen Sekunden entstanden. Auf Nachfrage stellt sich heraus: Sie stammt von einer KI.
Solche Situationen werden im Ausbildungsalltag zunehmend relevant. Denn Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Art, wie Menschen Informationen suchen und Texte erstellen. Sie verändert auch Arbeitsprozesse, Lernmöglichkeiten und berufliche Anforderungen.
Wie wichtig das Thema inzwischen für die Berufsbildung ist, zeigt der Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2026 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB): Das Schwerpunktthema lautet „Künstliche Intelligenz in der Berufsbildung“.
Für Ausbilder/-innen stellt sich deshalb eine praktische Frage:
Wie kann KI sinnvoll in die Ausbildung integriert werden?
1. KI verändert die Arbeitswelt – und damit die Ausbildung
Dafür muss niemand zum KI-Spezialisten werden. Aber es gibt gute Gründe, jetzt erste Erfahrungen zu sammeln:
Auszubildende werden auf Berufe vorbereitet, in denen KI-Anwendungen zunehmend Teil von Arbeitsprozessen sein können. Recherche, Texterstellung, Datenanalyse oder die Unterstützung bei wiederkehrenden Aufgaben sind nur einige mögliche Einsatzfelder.
Das BIBB untersucht deshalb, wie KI Tätigkeiten und Kompetenzanforderungen verändert und welche Fähigkeiten in einer zunehmend von KI geprägten Arbeitswelt gefragt sind.
Für die Ausbildung bedeutet das:
Fachwissen bleibt die Grundlage. Gleichzeitig wird es wichtiger, digitale Werkzeuge kritisch und zielgerichtet einzusetzen.
Eine KI-generierte Lösung kann dabei selbst zum Lernanlass werden:
- Was ist fachlich korrekt?
- Wo fehlen Informationen?
- Was muss überprüft werden?
So lässt sich der Umgang mit KI direkt in bestehende Ausbildungsaufgaben integrieren.
2. KI kann Ausbilder/-innen im Alltag unterstützen
Ausbilder/-innen investieren teilweise viel Zeit in die Vorbereitung von Lernprozessen: Aufgaben entwickeln, Inhalte aufbereiten, Übungen erstellen oder komplexe Sachverhalte verständlich erklären.
Generative KI kann dabei unterstützen – etwa indem sie erste Ideen für Lernaufgaben liefert, Quizfragen formuliert, Fachtexte zusammenfasst oder einen Sachverhalt aus verschiedenen Perspektiven erklärt.
Auch das BIBB untersucht, wie KI Ausbilderinnen und Ausbilder bei der Gestaltung von Lernprozessen unterstützen und organisatorisch entlasten kann.
Entscheidend bleibt dabei die Rollenverteilung:
Die KI liefert einen Vorschlag, die fachliche Entscheidung trifft der Mensch.
Ein sinnvoller Einstieg ist deshalb eine Aufgabe, die regelmäßig Zeit kostet. Einfach ausprobieren, Ergebnis prüfen und entscheiden: Wo bringt KI tatsächlich einen Mehrwert?
3. KI eröffnet neue Möglichkeiten für individuelles Lernen
Auszubildende bringen unterschiedliche Vorkenntnisse mit. Manche benötigen zusätzliche Erklärungen, andere möchten ein Thema vertiefen oder anhand konkreter Beispiele üben.
KI kann Lernmaterialien flexibler aufbereiten: Ein Fachthema lässt sich beispielsweise vereinfachen, durch ein Praxisbeispiel ergänzen oder mit zusätzlichen Übungsfragen versehen. Auch unterschiedliche Schwierigkeitsstufen können erstellt werden.
Aktuelle BIBB-Projekte untersuchen unter anderem, wie KI Lernstände erfassen und daraus individuelle Lernempfehlungen oder Lernpfade ableiten kann.
Für Ausbilder/-innen entstehen dadurch neue Möglichkeiten, auf unterschiedliche Lernbedürfnisse einzugehen. Die pädagogische Einschätzung bleibt jedoch entscheidend:
- Welche Unterstützung ist sinnvoll?
- Welche Aufgabe passt zum Lernstand?
- Wann ist eine persönliche Erklärung besser?
KI kann Lernprozesse unterstützen – die pädagogische Verantwortung bleibt bei den Ausbilder/-innen
4. KI-Kompetenz schafft Orientierung und Sicherheit
Mit den neuen Möglichkeiten entstehen auch neue Fragen:
- Welche Informationen dürfen in ein KI-Tool eingegeben werden?
- Wie gehen wir mit Unternehmens- und personenbezogenen Daten um?
- Wie lassen sich KI-Ergebnisse überprüfen?
- Welche Regeln gelten für die Nutzung von KI bei Lern- und Arbeitsaufgaben?
Wer KI im Ausbildungsbetrieb einsetzen möchte, braucht deshalb auch Orientierung.
Das zeigt sich inzwischen im europäischen Rechtsrahmen. Artikel 4 des EU AI Act verlangt, dass Unternehmen dafür sorgen, dass ihre Beschäftigten über die notwendigen Kenntnisse im Umgang mit KI verfügen. Diese Vorschrift gilt seit dem 2. Februar 2025; seit dem 2. August 2026 wird ihre Einhaltung durch die zuständigen Behörden überwacht und durchgesetzt.
Wichtig: Der AI Act schreibt kein bestimmtes individuelles Zertifikat oder ein einheitliches Kompetenzniveau vor. Welche Kenntnisse erforderlich sind, hängt unter anderem vom technischen Wissen, der Erfahrung, Ausbildung und dem jeweiligen Nutzungskontext ab.
Für Ausbilder/-innen bedeutet das: Wer KI sicher einordnen kann, kann auch Auszubildenden Orientierung geben und gemeinsam mit ihnen sinnvolle Regeln für den Einsatz entwickeln.
5. KI-Kompetenz wird zu einer wichtigen beruflichen Fähigkeit
Eine gute Ausbildung bereitet nicht nur auf Prüfungen vor, sondern darauf, berufliche Situationen selbstständig zu bewältigen und sich auf Veränderungen einzustellen. Dazu gehört zunehmend auch der kompetente Umgang mit KI.
Auszubildende sollten deshalb Gelegenheit bekommen, KI praktisch kennenzulernen und Erfahrungen mit ihren Möglichkeiten und Grenzen zu sammeln.
Dafür braucht es kein großes KI-Projekt. Schon eine einzelne Aufgabe kann zum Lernfeld werden:
- Was hat die KI gut gelöst?
- Was war falsch?
- Was musste überprüft werden?
- Wo bleibt menschliches Fachwissen unverzichtbar?
So entwickeln Auszubildende die Fähigkeit, KI bewusst und reflektiert einzusetzen – eine Kompetenz, die sie auch in ihrem späteren Berufsleben benötigen werden.
Wie gelingt der Einstieg?
Der erste Schritt muss nicht groß sein.
Nehmen Sie eine konkrete Aufgabe aus Ihrem Ausbildungsalltag und probieren Sie gemeinsam mit Ihren Auszubildenden aus, wie eine KI damit umgeht. Anschließend wird das Ergebnis gemeinsam betrachtet:
- Ist die Antwort fachlich richtig?
- Welche Informationen fehlen?
- Was müsste überprüft werden?
- Welche Daten dürfen verwendet werden?
- Wo ist menschliches Fachwissen unverzichtbar?
So wird KI nicht nur erklärt, sondern erlebt und reflektiert.
KI in der Ausbildung aktiv gestalten
Welche KI-Anwendungen sich langfristig durchsetzen werden, lässt sich heute noch nicht vollständig vorhersagen. Für Ausbilder/-innen geht es deshalb nicht darum, jedem neuen Tool hinterherzulaufen.
Wichtiger ist die Fähigkeit, Entwicklungen einzuordnen und zu entscheiden, wo KI im eigenen Ausbildungsbereich sinnvoll eingesetzt werden kann.
Wer sich jetzt mit dem Thema beschäftigt, kann gemeinsam mit den Auszubildenden Erfahrungen sammeln, sinnvolle Einsatzbereiche entdecken und Regeln für die Praxis entwickeln.
KI für Ausbilder/-innen: den nächsten Schritt gehen
Genau hier setzt die Weiterbildung „KI für Ausbilder/-innen“ der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein an.
Im Mittelpunkt steht nicht die Technik um ihrer selbst willen, sondern die Frage: Was kann KI im Ausbildungsalltag leisten – und wie lässt sie sich sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen?
Wer Möglichkeiten kennenlernen, erste Erfahrungen sammeln und den eigenen Umgang mit KI
weiterentwickeln möchte, kann damit den nächsten Schritt gehen.
Denn KI ist längst Teil der Arbeitswelt. Für eine zukunftsorientierte Ausbildung lohnt es sich deshalb, nicht nur darüber zu sprechen, sondern sie selbst auszuprobieren.